ÜBER Heimtierbedarf Großmann

Bericht vom Süderländer Tageblatt vom 03.11.2009

 

PLETTENBERG Der alte Aldi, die alte Post, eine Halle am Grafweg - nirgendwo durfte sich Heimtierbedarf Großmann erweitern. Schuld ist in fast allen Fällen die Stadt
Der Laden brummt seit sechs Jahren. Das Geschäft läuft super, der Handel mit Heimtierbedarf blüht - also beschließt Annegret Großmann schon 2006, ihren Handel für Heimtierbedarf zu erweitern oder gar umzusiedeln. An einen noch besseren Standort, um noch mehr Kundschaft zu gewinnen, um weiter zu wachsen. Der tote Aldi-Markt an der Uhlandstraße - das wär's! Das Gebäude steht schon seit Jahren leer, und mit 500 Quadratmetern böte er Platz genug zum Verkaufen und zum Lagern der vielen Futtersäcke.

Also macht sich Annegret Großmann ins Rathaus auf, um ihre Pläne der Stadtverwaltung vorzustellen. Wie sie dort abserviert wird, erinnert sie in etwa so: Großmann: "Wir möchten gerne ein Geschäft im alten Aldi-Markt eröffnen." Bürokrat: "Was möchten Sie verkaufen?" Großmann: "Käfige, Tierfutter und Zubehör." Bürokrat: "Tut mir leid, das ist "innenstadtrelevante Ware". Das heißt, diese Produkte dürfen Sie nur in der Innenstadt verkaufen. Sie können also kein Geschäft im alten Aldi eröffnen." Kalt abserviert. Typisch Verwaltung? Typisch Rathaus?

So oder so ähnlich muss jedenfalls das Gespräch verlaufen sein, als Annegret Großmann vor gut zwei Jahren ihre Erweiterungsanfrage bei der Stadt stellte. Umzug zum Aldi: Njet. Ersatzweise eine Halle am Grafweg - die Stadt verbot auch das. Nun hat das Ehepaar Großmann notgedrungen in direkter Nachbarschaft zum jetzigen Geschäft Hinterm Osterhagen angebaut; die 210 Quadratmeter große Halle ist frisch fertiggestellt.

Weil das Geschäft gut läuft, stellten Großmanns zum 1. November eine Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte an. Doch so richtig glücklich ist Annegret Großmann mit der "Notlösung" Anbau nicht. Immer noch zu wenig Platz, immer noch eine schlechte Lage. Der Laden liegt, wie seine Adresse ahnen lässt: Hinterm Osterhagen. Das klingt nach "am Ende der Welt." Es ist am Ende der Welt.

Dort sitzen Großmanns nur, weil die Stadt verhindern will, dass der Haustierbedarf die Händler in der Innenstadt "schädigt". Die Stadtverwaltung richtet sich mit ihren Entscheidungen nach einem Einzelhandelskonzept, das die Beratungsfirma GMA aus Köln im Jahr 2005 erstellte. Dieses besagt, dass zum Beispiel Tierfutter "zentrumsrelevante Ware" ist und deshalb solche Händler in die Innenstadt gehören - und nicht in die Randgebiete der Innenstadt. Deswegen durfte Annegret Großmann auch nicht in die Halle am Grafweg, in der jetzt Autopflege Beckmann sein neues Domizil gefunden hat.

Für Heimtierbedarf Großmann blieb also nur die unmittelbare Innenstadt. Doch das ist problematisch. "Mehrere Sattelzüge bringen in der Woche das Futter, das wir verkaufen - die können nicht durch die Fußgängerzone rollen." Ebenso sei es den Kunden nicht zumutbar, Zehn- oder Zwanzig-Kilo-Säcke Futter durch die Innenstadt zum Auto zu schleppen. Eine Möglichkeit, ein Geschäft in der "City" zu eröffnen, war die alte Post am Maiplatz. Letztes Jahr lief der Vertrag zwischen der Post, die nur noch ihre Schließfächer am Maiplatz hat, und dem Vermieter - eine Erbengemeinschaft aus Hagen - aus. Doch alle Interessenten (neben Heimtierbedarf Großmann war laut Annegret Großmann auch eine Pizzeria interessiert) stach die ungleich finanzstärkere Post aus; sie verlängerte ihren Vertrag.

Rund um die Innenstadt dürfen Großmanns nicht, in der Innenstadt geht es nicht - "dann müssen wir wohl am jetzigen Standort erweitern", dachte sich Annegret Großmann notgedrungen vor über einem Jahr. Sie reichte im August einen Bauantrag bei der Stadt ein. Noch nicht einmal dieser wurde ohne Zögern abgesegnet. Immer wieder gab es Probleme, die gewünschte Hallenfläche wurde eingedampft, die Verhandlungen dauerten über ein halbes Jahr. Im März endlich konnte dann der Bau beginnen, jetzt steht die 210 Quadratmeter große Halle.

Annegret Großmann ist nach all' den Querelen froh, dass die Halle endlich steht, zweifelt aber weiterhin an der Sinnhaftigkeit von "innenstadtrelevanten Waren": "Auf der einen Seite meckern immer alle, dass die Plettenberger nach Lüdenscheid fahren. Sie brauchen sich nicht zu wundern, denn den hiesigen Händlern wird der Weg zur Erweiterung verbaut", sagt sie und fügt hinzu: "Man will etwas schaffen, aber die Paragraphen stehen im Weg." sep